Finca Irlanda - das älteste Demeter Projekt in den Tropen

Windböen schütteln die Baumwipfel. Dicke Regentropfen zerplatzen auf dem dichten Blätterdach. Darunter geschützt wachsen Kaffeepflanzen. Nach einer halben Stunde ist der Spuk vorbei, der Himmel reißt auf und Vogelgeschrei erfüllt die Luft. Ein Morgen auf der Finca Irlanda im mexikanischen Bundesstaat Chiapas. Seit 1987 beziehen wir feinsten Hochland Kaffee von der ältesten Demeter-Plantage in den Tropen.

Erlesene Qualität – von Hand geerntet

Seit 1928 werden hier nach den Grundsätzen Rudolf Steiners Kaffeepflanzen gezogen und mit Kompost Gedüngt. Kaffee ist eine regen- und sonnenempfindliche Pflanze. Unter Schattenbäumen reifen die Kaffeebohnen langsam heran und entwickeln so ihr einzigartiges Aroma. Anbau, Pflege und Ernte geschehen nicht durch Maschinen, sondern von Hand. Nur so kann garantiert werden, dass ausschließlich reife Kaffeebohnen gepflückt werden. Das ist arbeitsintensiv und sichert Arbeitsplätze in der ländlichen Region.

Artendichte fast wie im Urwald


Das intensive Anpflanzen von Schattenbäumen sorgt für den Erhalt eines Ökosystems, das in seiner Lebendigkeit dem ursprünglichen Regenwald sehr nahe kommt. Wissenschaftler zählten auf der Finca Hunderte verschiedener Pflanzen- und Tierarten, darunter viele seltene Vogelspezies. Um Tieren eine Zuflucht zu bieten, wird auf der Finca Irlanda der Kaffee neben vielen einheimischen Groß- und Obstbäumen angebaut und darf das Label »Bird friendly« (vogelfreundlich) tragen. Dieses wissenschaftliche Anbaukonzept wurde für den amerikanischen Kontinent entwickelt und zeigt Erfolge: Die Kaffeeplantagen haben Untersuchungen zufolge eine fast so hohe Artendichte wie die Urwälder selbst.

Familien sind hier seit drei Generationen ansässig

Mitten in der gebirgigen Kaffee- und Waldlandschaft steht der Gebäudekomplex mit Hallen und Vorrichtungen zur Kaffeeverarbeitung, Wohnungen für die Familien, die auf der Farm teilweise bereits seit drei Generationen ansässig sind, Gewächshäusern für Demeter-Gemüse zur Selbstversorgung – und einer Schule.

Lebensbaum fördert Schule und medizinische Versorgung

Träger der Schule ist eine gemeinnützige Stiftung, die neben der Ausbildung noch den Betrieb einer medizinischen und zahnmedizinischen Klinik sowie weitere Projekte zum Naturschutz ermöglicht. Die Lebensbaum-Stiftung hat den Bau der Schule mit ermöglicht und trägt zur Deckung der laufenden Kosten bei.  

Umwelterziehung steht auf dem Lehrplan

Die Klassenzimmer sind hell gestrichen und bunt geschmückt mit Girlanden, selbst gemalten
Bildern und großen bunten Buchstaben. Aus den Fenstern sieht man zur einen Seite das dichte Grün der Bäume – und zur anderen den Spielplatz auf dem Innenhof. In den verschiedenen Räumen befinden sich die Vorschule und Unterrichtsräume der Grundschule für insgesamt über 50 Kinder. Die Kinder lernen wie bei uns Lesen und Schreiben, Rechnen, Biologie und Sozialkunde. Dazu haben sie aber auch Unterricht in allem, was elementar zur Erhaltung ihrer einzigartigen Umgebung beiträgt: Umwelterziehung und Naturschutz.

In der Schule beobachten sie Kolibris

Sie wachsen inmitten der Natur auf, beobachten Kolibris, unterscheiden das Kreischen und Singen der verschiedenen Vogelarten, wissen, welche Schlangen gefährlich sind, und wie man sich im Wald behutsam verhält. Umwelterziehung und Fortbildungen werden
in den Schulräumen ebenso für Erwachsene angeboten, außerdem gibt es Informatikkurse für Kinder und Erwachsene.

Bester Schüler Chiapas kommt von der Urwald-Schule

In der Umgebung befinden sich zwei weitere Schulen, so dass insgesamt Unterricht bis zur 10. Klasse angeboten werden kann und den Kindern lange Schulwege oder gar Trennung vom Elternhaus erspart bleiben. Einer der Schüler wurde sogar als bester Schüler des Bundesstaates Chiapas vom mexikanischen Staatspräsidenten ausgezeichnet.

Feldforschung im Urwald  – davon profitieren auch die Bauern

Die Finca Irlanda dient zahlreichen Universitäten aus den USA, Europa und Lateinamerika als Anlaufstelle. Viele Studierende haben hier Forschungsprojekte durchgeführt. Durch das intakte Ökosystem inmitten eines landwirtschaftlichen Betriebs können wertvolle Erkenntnisse über den Biolandbau in den Tropen, Vogel- und Insektenkunde sowie Flora und Fauna gewonnen werden.
Von den Erfahrungen und wissenschaftlichen Forschungen auf der Finca profitieren in vielfältiger Weise andere Bio-Kaffee-Anbauer, insbesondere auch Kleinbauern, die diese systematische Forschung selbst nicht leisten können.